Mountainbiker lieben Südtirol! Doch was macht Italien anders als Österreich? Warum zieht es so viele zum Biken in den Süden?
„Österreich ist für viele deutsche Mountainbiker nur ein Transitland auf dem Weg nach Südtirol!“ Mit dieser provokanten Aussage sorgte Claus Fleischer, der Chef von Bosch eBike Systems in einem „Radkrone“-Interview für Aufregung.
Also, ab nach Südtirol, genauer gesagt nach Sexten, wo uns Roland Stauder seinen Stoneman Dolomiti zeigen will, eine 120 Kilometer lange Mountainbike-Tour mit 4.000 Höhenmetern.
Tausende Bergradlfahrer kommen deshalb jährlich nach Sexten, um diese Tour in einem, zwei oder drei Tagen zu bewältigen, um anschließend die Stoneman-Trophäe in Gold, Silber oder Bronze mit nach Hause nehmen zu dürfen.
Zum Glück wählte der siebenfache Dolomitenmann-Gewinner und ehemalige Mountainbike-Profi, nicht die Gesamtstrecke, sondern die Demut-Passage – die jedoch anspruchsvollste Teilstrecke ist. Dabei geht es in den Karnischen Alpen, also an der Grenze zu Osttirol mit dem Mountainbike hochalpin über Stock und Stein.
„Das ist möglich, weil wir in Italien fast überall Radfahren dürfen“, erklärt Roland: „Was nützt die schönste Landschaft, wenn man nicht Radfahren darf.“ Neben Südtirol hat Roland das Stoneman-Konzept in Deutschland, Belgien sowie der Schweiz umgesetzt und mit dem Stoneman Taurista in den Radstädter Tauern (Sbg.) auch bei uns. Roland: „Ich kann jedem nur raten, Radfahrern Möglichkeiten zu bieten, um so die Massen zu lenken.“
So sieht es auch der erfahrene Südtiroler Touristiker Alfred Prenn: „Auch wenn bei uns Radfahren überall geduldet wird, ist es nicht überall erlaubt.“ Für Radfahrverbote braucht es jedoch eine Begründung und die Strecke wird danach behördlich von Land oder Gemeinde gesperrt. So ist Radfahren beispielsweise in den Sextner Dolomiten generell verboten.
Und wie sieht es mit der Haftungsfrage aus? „Vor zwölf Jahren hat der Tourismus zusammen mit dem Südtiroler Bauernbund eine Regelung gefunden, dass der Landesverband der Tourismusorganisationen eine Versicherung für alle Verbände und Vereine abschließt. Zusätzlich unterzeichnen Grundeigentümer einen Vereinbarung, dass ersichtlich ist, dass der Tourismus als Wegerhalter auftritt“, informiert Prenn.
Trotzdem ist auch in Südtirol nicht alles eitel Wonne. Mountainbiker veröffentlichen Touren, auf denen nicht geradelt werden sollte, in Apps wie Strava oder Komoot und durch die steigende Anzahl an E-Bikern spitzt sich die Situation zunehmend zu: Prenn: „Immer mehr Bauern sind feurig, weil Mountainbiker sie etwa beim Arbeiten behindern.“
Umso wichtiger wären gesetzliche Regelungen, die Wege für Mountainbiker öffnen und zugleich Grundbesitzer schützen – in Südtirol, wie auch bei uns in Österreich.
Viele Mountainbiker in Österreich, darunter auch Trainer-Legende Gunnar Prokop fordern eine Freigabe aller Forststraßen, die mit öffentlichen Mitteln errichtet wurden.
Im Mountainbiken sieht Gunnar Prokop, der mit dem Damen Handball-Team Hypo Niederösterreich unzählige Meistertitel gewann, eine große Chance für Österreichs Tourismus: „Das Mountainbiken ist längst das neue Skifahren.“
„Nur leider ist das Mountainbiken bei uns fast überall verboten“, ärgert sich der heute 84-jährige Prokop, der erst kürzlich von einem Grundbesitzer in Niederösterreich angezeigt wurde, weil er auf einer Forststraße mit dem Fahrrad unterwegs war.
Prokop ist überzeugt, dass sich „das Mountainbiken nicht mehr aufhalten lässt“.
Verantwortlich das E-Bike, mit dem jeder in die Berge fahren kann. Österreichweit soll es laut Mountainbike-Kongress-Organisator Hari Maier bereits eine Million E-MTB-Fahrer in Österreich geben – Tendenz steigend.
„Überall werden zwar Trails gebaut, aber es gibt auch viele, wie mich, die einfach eine Alm- oder Forststraße hinauf treten wollen, um die Aussicht und das Naturerlebnis zu genießen“, so Prokop, der eine Freigabe aller Forststraßen fordert, die mit öffentlichen Geld finanziert wurden.
Prokop: „Es braucht sich sonst niemand mehr wundern, dass wir keine Sportnation mehr sind und immer mehr Österreicher zum Radfahren nach Südtirol fahren.“